Für alle, die tiefer tauchen möchten

Unsere Geschichte

Manche Orte werden geplant. Andere wachsen aus einem Leben heraus.

Wenn ich heute zurückblicke, sehe ich keinen geraden Weg zum Yoga Zentrum.

Ich sehe eine Suche. Fragen, für die es lange keine Antworten gab. Menschen, die mein Leben berührt und verändert haben. Zeiten des Aufbruchs und Zeiten, in denen ich selbst nicht wusste, wohin mich der nächste Schritt führen würde.

Vielleicht beginnt unsere Geschichte deshalb auch nicht mit einem Yogaraum.

Sie beginnt mit Fragen.

2001

Die Suche hinter dem Sichtbaren

Von diesen ersten Jahren gibt es kaum Bilder.

Es war eine andere Zeit. Kein Smartphone, keine ständige Kamera in der Tasche, kein Leben, das fortwährend dokumentiert wurde.

Was geblieben ist, sind Erinnerungen.

Nach längeren Auslandsaufenthalten kam ich mit Erfahrungen zurück, die etwas in mir verändert hatten. Ich hatte Dinge erlebt und empfunden, für die meine bisherigen Vorstellungen vom Leben nicht ausreichten.

Mich beschäftigten Fragen, die mich nicht mehr losließen:

Was geschieht eigentlich in unserem Geist? Was ist Bewusstsein? Sind wir wirklich nur das, was wir sehen und anfassen können? Und gibt es zwischen Himmel und Erde vielleicht mehr, als unsere Augen wahrnehmen können?

Ich wollte verstehen.

Nicht aus akademischem Interesse. Nicht, weil daraus irgendwann ein Beruf entstehen sollte.

Ich suchte nicht nach einem Beruf. Ich suchte nach Antworten.

Zwei Jahre des Fragens und Forschens

Diese Suche führte mich in ein zweijähriges Fernstudium. Ich beschäftigte mich intensiv mit Parapsychologie, Astrologie und Chirologie.

Alte Lehrbände zu Parapsychologie, Chirologie und Astrologie aus den frühen Jahren der Suche
Ein Fundstück aus den ersten Jahren meiner Suche: Lehrbände aus meinem damaligen Fernstudium.
Fernstudium 2002
Fernstudium · 2002

Mich faszinierten Fragen über Zusammenhänge, die wir nicht unmittelbar sehen können.

Wenn der Mond Ebbe und Flut bewegt – welche Einflüsse wirken dann noch auf das Leben?

Was sind Gedanken eigentlich?

Wo endet unser Wissen über Bewusstsein – und wo beginnt das, was wir noch nicht verstehen?

Nicht alles, womit ich mich damals beschäftigte, ist wissenschaftlich belegt. Und manches würde ich heute sicherlich mit anderen Worten beschreiben. Doch darum ging es für mich im Kern nie.

Diese Jahre lehrten mich etwas anderes:

Nicht jede große Frage braucht sofort eine fertige Antwort. Manchmal verändert uns bereits der Mut, sie überhaupt zu stellen.

2001 · Westerwald

Eine Tür öffnet sich

Meine Suche führte mich 2001 schließlich zum ersten Mal in einen Ashram von Yoga Vidya im Westerwald.

Ich besuchte dort ein Kundalini-Seminar.

Nach all meiner Beschäftigung mit Geist, Bewusstsein und den großen philosophischen Fragen hatte ich entsprechende Erwartungen. Ich wollte verstehen. Ich wollte über die Dinge sprechen, die mich innerlich bewegten.

Und dann machten die dort erst einmal erstaunlich viele Körperübungen.

Ich weiß noch, dass ich enttäuscht war. Fast ein wenig irritiert.

Ich wollte doch etwas über das Leben erfahren.

Heute muss ich darüber lächeln.

Denn ich konnte damals nicht wissen, dass mir das Leben gerade eine Tür geöffnet hatte.

Yoga war noch nicht „mein Weg“. Aber etwas hatte begonnen.

2002

Und dann kam die Liebe

Noch bevor aus dieser ersten Begegnung mit Yoga ein bewusster Weg werden konnte, geschah etwas, das mein Leben viel grundlegender verändern sollte.

Meine geliebte Tochter Lena wurde geboren.

Und plötzlich bekamen viele meiner großen Fragen eine andere Bedeutung.

Da war dieser kleine Mensch. Und da war eine Liebe, für die Worte eigentlich zu klein sind.

Mutter zu werden bedeutete für mich nicht, meinen inneren Weg zu verlassen. Heute würde ich sagen: Das Leben selbst hatte begonnen, mich auf eine Weise zu unterrichten, wie es kein Seminar und kein Buch vermocht hätte.

Lena wurde deshalb nicht zu einer Unterbrechung meines Weges.

Sie wurde ein Teil davon.

Manche unserer größten Lehrer begegnen uns nicht in einem Seminar.
Sie kommen in unser Leben – und verändern für immer die Art, wie wir lieben.

2005

Ein Lehrer und ein Weg, der geblieben ist

Die Begegnung mit Yoga war nie ganz verschwunden. Und 2005 war die Zeit gekommen, tieferzugehen.

Ich begann meine zweijährige Yogalehrerausbildung im Yoga-Vidya-Zentrum Leipzig.

Yogalehrerausbildung 2005
Yogalehrerausbildung · 2005

Dort begegnete ich Manohara Wahl.

Manche Menschen begleiten uns nur eine bestimmte Zeit und hinterlassen dennoch etwas, das ein Leben lang bleibt.

Manohara ist für mich ein solcher Lehrer.

Was ich bei ihm erfahren durfte, lässt sich nicht in Ausbildungsstunden, Techniken oder einem Zertifikat zusammenfassen. Er vermittelte mir etwas vom Wesen des Yoga. Eine Haltung. Eine Tiefe. Etwas, aus dem ich auch nach all den Jahren noch schöpfe und das in meinem eigenen Unterrichten weiterlebt.

Für das, was Manohara mir damals mit auf meinen Weg gegeben hat, werde ich ihm mein Leben lang dankbar sein.

2005

Einfach anfangen

Meine Yogalehrerausbildung in Leipzig veränderte mein Leben. Und sie tat das schneller, als ich erwartet hatte.

Noch während meiner Ausbildung wurde ich gefragt, ob ich in Leipzig eine Yogastunde übernehmen würde. Viel Zeit, darüber nachzudenken, blieb mir nicht. Ich wurde ins kalte Wasser geworfen – und sagte Ja.

Also stand ich plötzlich vorne.

Nicht irgendwann, wenn ich mich bereit fühlen würde. Nicht erst, wenn ich glaubte, genug zu wissen. Sondern jetzt.

Manchmal beginnt etwas Neues nicht mit dem Gefühl: Jetzt bin ich bereit. Manchmal beginnt es damit, dass jemand uns etwas zutraut – und wir den Mut haben, es zu versuchen.

Drei OMs auf einer Wiese

Zur gleichen Zeit kamen auch in Zwickau immer wieder Fragen von Freundinnen und Bekannten: Kannst du nicht mal mit uns Yoga machen?

Yoga war damals hier noch etwas ziemlich Exotisches. Die Vorstellungen davon waren manchmal entsprechend abenteuerlich – irgendetwas mit Räucherstäbchen, seltsamen Ritualen und vielleicht noch nackt ums Feuer laufen.

Und so fand meine erste kleine Yogastunde in Zwickau nicht in einem Studio statt. Wir waren zu dritt: zwei Freundinnen und ich.

Auf einer Wiese bei Königswalde, auf einer Anhöhe oberhalb des Dorfes. Hinter uns der Wald, vor uns das weite Tal und der Blick hinunter auf die Häuser.

Ich unterrichtete schon damals sehr traditionell. Also begann ich mit dreimaligem OM und einem Mantra.

Meine beiden Schülerinnen waren darauf offensichtlich nicht ganz vorbereitet. Sie sahen sich an – und bekamen einen solchen Lachanfall, dass es mit der würdevollen yogischen Atmosphäre erst einmal vorbei war.

Das war meine erste Yogastunde in Zwickau.

Nicht perfekt. Nicht feierlich. Aber echt.

Yoga durfte für mich tief und heilig sein, ohne dass wir Menschen deshalb aufhören mussten, Menschen zu sein. Und manchmal bedeutete das eben auch, gemeinsam auf einer Wiese zu sitzen und Tränen zu lachen.

Äußerlich hatte ich fast nichts

Es ist mir wichtig, auch diesen Teil der Geschichte zu erzählen. Denn wenn wir später auf etwas schauen, das gewachsen ist, sehen wir meistens nur das Ergebnis. Wir sehen nicht unbedingt, wie es begonnen hat.

Ich war damals eine alleinerziehende Mutter. Ich hatte kaum Geld und lebte zeitweise von staatlicher Grundsicherung.

Da war kein Kapital, mit dem ich mir etwas hätte aufbauen können. Keine finanziellen Sicherheiten. Kein ausgearbeiteter Geschäftsplan.

Äußerlich hatte ich sehr wenig. Innerlich trug ich unglaublich viel in mir.

Da waren die Erfahrungen meiner früheren Auslandsaufenthalte, die etwas Grundsätzliches in mir verändert hatten. Da waren all die Fragen über das Leben und das Bewusstsein. Da war meine Tochter. Da waren meine Lehrer. Und immer stärker war da dieses Gefühl, etwas von dem weitergeben zu wollen, was mich selbst berührt und getragen hatte.

Nicht, weil daraus ein Beruf werden sollte. Sondern weil Menschen danach fragten.

Einer oder zehn – das war nie die Frage

Mir war nie entscheidend, wie viele Menschen vor mir auf ihren Matten saßen. Ob es einer war oder zehn: Ich empfand es als Geschenk, überhaupt etwas von dem weitergeben zu dürfen, was andere Menschen und Lehrer zuvor mir geschenkt hatten.

Und vielleicht lag darin zugleich mein eigenes Lernen. Im Weitergeben durfte sich das Empfangene auch in mir tiefer verankern. Aus Wissen wurde Erfahrung, aus Erfahrung langsam Haltung.

Yoga wurde für mich nicht wertvoller, weil mehr Menschen kamen. Es wurde tiefer, weil es geteilt werden durfte.

2005–2010

Pionierarbeit – ohne sie so zu nennen

Ein Mensch fragte nach einer Yogastunde. Dann noch einer.

Eine Physiotherapiepraxis öffnete ihre Tür. Ein Fitnessstudio. Die Volkshochschule. Kindergärten und Schulen.

Ab etwa 2006/2007 unterrichtete ich auch am Europäischen Gymnasium in Lichtenstein. Yoga wurde dort sogar in den Unterricht integriert: Ein Teil der Schülerinnen und Schüler ging zum Yoga, während der andere Teil Englischunterricht hatte.

Yoga im Kindergarten 2008
Yoga im Kindergarten · 2008

Heute begegnet uns Yoga beinahe überall. Damals war das noch anders. Vieles von dem, was wir taten, war rückblickend Pionierarbeit – nicht, weil ich mir vorgenommen hätte, eine Pionierin zu sein, sondern weil Yoga in Zwickau noch kaum einen selbstverständlichen Platz hatte.

Ich ging einfach dorthin, wo ich gefragt wurde.

Ich brachte meine Matten mit, richtete mich für eine Stunde irgendwo ein, unterrichtete – und räumte danach alles wieder zusammen. Und dann kam die nächste Anfrage.

Yoga 2009
Yoga · 2009

Nicht Größe, sondern Weitergabe

Es ging nicht darum, etwas möglichst Großes entstehen zu lassen. Die tiefere Bewegung war eine andere: dankbar anzunehmen, was mir selbst geschenkt worden war, es zu üben, zu durchdringen und – soweit ich es vermochte – weiterzugeben.

In der Yogaphilosophie begegnen uns dafür zwei Gedanken, die diesen Weg für mich im Rückblick gut beschreiben: Abhyāsa, das beständige Üben und Tun, und Vairāgya, die Fähigkeit, nicht am Ergebnis festhalten zu müssen.

Das bedeutete nicht Gleichgültigkeit. Im Gegenteil. Es bedeutete, sich mit ganzem Herzen einzubringen und dennoch anzuerkennen, dass wir das Ergebnis nicht vollständig kontrollieren können.

Tun, was jetzt aus tiefstem Herzen richtig erscheint – ohne erzwingen zu können, was daraus einmal werden wird.

Vielleicht müssen wir nicht immer wissen, wohin es geht. Vielleicht müssen wir manchmal nur wach genug sein, den nächsten stimmigen Schritt zu erkennen.

Natürlich müssen wir unsere Miete bezahlen. Wir leben in einer materiellen Welt und auch spirituelle Arbeit darf einen angemessenen Wert haben.

Aber etwas anderes möchte ich darüber nicht vergessen:

Nicht alles Wertvolle beginnt mit der Frage, was es uns einmal einbringen wird.

Mein Weg begann mit einer ganz anderen Frage:

Was kann ich weitergeben von dem, was mir selbst geschenkt wurde?

Ich hatte keine Marke. Keine Strategie. Keine perfekte Außendarstellung. Und ganz sicher kein Bild davon, wie eine Yogalehrerin auszusehen hatte.

Ich hatte meine Erfahrungen, meine Fragen, meine Fehler, meine Begeisterung – und ein ziemlich volles Herz.

Das musste zunächst reichen.

Vielleicht liegt darin etwas, das heute manchmal verloren zu gehen droht: Demut vor dem, was wir noch nicht wissen. Bescheidenheit gegenüber dem, was wir gerade erst lernen. Und Vertrauen darin, dass nicht jeder Weg mit Gewalt hergestellt werden muss.

Manche Dinge brauchen keinen Hammer. Sie brauchen Raum.

Nicht jeder Weg muss erzwungen werden.
Manches beginnt ganz leise: mit einer Begegnung, einer Frage, einem Ja.
Und erst Jahre später erkennen wir, dass wir längst unterwegs waren.

2010

Und dann kam Sandy

Wir lernten uns bei einer Weiterbildung in einem Ashram kennen.

Wenn ich heute zurückblicke, könnte ich daraus natürlich eine wunderschöne Geschichte machen und erzählen, wir hätten uns gesehen und sofort gewusst, dass wir einmal gemeinsam ein Yogazentrum eröffnen würden.

Aber so war es nicht.

Sandy war kritisch. Sie hinterfragte.

Und ich? Ich war wahrscheinlich ziemlich sehr ich selbst: voller Begeisterung, voller Vertrauen in all das, was ich im Yoga erfahren hatte – und vielleicht auch ein bisschen eigenwillig.

Dass daraus einmal eine so tiefe Verbindung entstehen würde, konnte damals wohl keine von uns wissen.

Sie war neu nach Zwickau gezogen und ebenfalls Yogalehrerin. Wir begegneten uns wieder, lernten uns kennen – und irgendwann entstand dieser einfache Gedanke:

Wollen wir nicht gemeinsam einen Raum mieten?

Wir waren beide das ständige Ein- und Ausräumen leid. Immer wieder irgendwo zu Gast sein, unterrichten und anschließend alles wieder verschwinden lassen.

Allein einen eigenen Raum zu finanzieren, war kaum vorstellbar. Aber zu zweit? Vielleicht ging es.

Mut heißt nicht, dass man weiß, wie es ausgeht

Wir wussten nicht, ob genügend Menschen kommen würden. Wir wussten nicht, ob wir die Miete dauerhaft bezahlen könnten. Es gab keine Sicherheit, die uns versprach: Das wird funktionieren.

Wir waren beide risikofreudig – aber nicht leichtsinnig. Wir haben überlegt, abgewogen und gerechnet. Und irgendwann kam der Punkt, an dem kein weiterer Plan uns die Unsicherheit hätte abnehmen können.

Mut bedeutet nicht, zu wissen, dass es gut ausgeht. Mut bedeutet, den nächsten Schritt zu gehen, obwohl wir es nicht wissen.

Psychologisch liegt darin etwas Wesentliches: Wir können auf Sicherheit warten, bis jede Unsicherheit verschwunden ist – und womöglich niemals beginnen. Oder wir lernen, Unsicherheit auszuhalten, Verantwortung zu übernehmen und trotzdem zu handeln.

Auch darin erkenne ich heute Yoga: nicht blindes Vertrauen, sondern ein inneres Gleichgewicht zwischen Bodenhaftung und Hingabe. Die Füße auf der Erde, das Herz offen – und keine Garantie in der Tasche.

Und so wurde aus einer Begegnung langsam eine Weggemeinschaft.

Dankbarkeit für einen gemeinsamen Weg

Wenn ich heute an diese Jahre denke, empfinde ich vor allem Dankbarkeit.

Sandy und ich sind sehr unterschiedliche Menschen. Ich weiß, dass ich mit meiner Art nicht immer einfach gewesen sein kann. Ich bin eigenwillig, brauche meine Freiheit, gehe manches auf meine ganz eigene Weise an – und gleichzeitig möchte ich am liebsten alle Menschen irgendwie mitnehmen.

Sandy hat vieles davon über Jahre mitgetragen.

Wir haben miteinander aufgebaut, gelernt, gestritten, gelacht und uns entwickelt.

Später sollten sich unsere Wege räumlich wieder verändern. Aber das gehört in ein anderes Kapitel.

Was geblieben ist, ist eine liebevolle Verbindung – und eine tiefe Dankbarkeit dafür, dass sie einen entscheidenden Teil dieses Weges mit mir gegangen ist.

1. April 2011 · Hauptmarkt 14

Wir wagen es – Yoga bekommt ein Zuhause

Und dann war er tatsächlich da: der 1. April 2011.

An diesem Tag öffnete unser kleines Yogazentrum am Hauptmarkt 14 in Zwickau zum ersten Mal seine Türen und Pforten.

Und nein – es war kein Aprilscherz.

Es war wahrhaftig. Ein kleiner Raum, mit bescheidenen Mitteln und ohne irgendeine Vorstellung davon, wie groß daraus einmal etwas werden müsste.

Nach all den Jahren zwischen Physiotherapiepraxen, Fitnessstudios, Schulen, Kindergärten und Volkshochschulkursen konnten wir zum ersten Mal die Tür schließen und wissen:

Morgen sind unsere Matten noch da.

Wir konnten einen Ort gestalten. Kerzen stehen lassen. Eine Atmosphäre entstehen lassen.

Yoga musste für eine Stunde nicht mehr irgendwo zu Gast sein. Es hatte ein Zuhause bekommen.

Vielleicht passt gerade dieses Datum deshalb so wunderbar zu unserer Geschichte: mit einem lachenden, manchmal auch einem weinenden und immer wieder einem schmunzelnden Auge. So begleitet uns dieser 1. April nun schon seit vielen Jahren.

Wir wussten an diesem Tag nicht, was aus diesem kleinen Raum werden würde. Wir mussten es auch nicht wissen.

Wir mussten nicht wissen, wie groß es werden würde.
Wir mussten nur bereit sein, die Tür zu öffnen.

Bis heute: organisch gewachsen und persönlich geblieben

Über die vielen Jahre sind Menschen hinzugekommen. Lehrerinnen und Lehrer, Kurse, Ausbildungen, Begegnungen und unzählige Geschichten. Das Yoga Zentrum ist organisch gewachsen.

Aber es ist bis heute kein riesiger Ort – und das war auch nie das Ziel.

Es ist ein überschaubarer, persönlicher Ort geblieben, an dem Menschen einander kennen dürfen und an dem Yoga von Mensch zu Mensch weitergegeben wird.

Wenn ich heute darauf zurückblicke, möchte ich deshalb nicht erzählen: Schaut, wie groß etwas geworden ist.

Sondern:

Schaut, was entstehen darf, wenn wir beginnen, bevor wir alle Antworten haben.

Wenn wir nicht darauf warten, reich genug, perfekt genug, schön genug, sicher genug oder „bereit“ genug zu sein.

Wenn wir lernen. Wenn wir dienen. Wenn wir Fehler machen. Wenn wir Menschen begegnen, die ein Stück des Weges mit uns gehen.

Und wenn wir den Mut entwickeln, dem nächsten kleinen Schritt zu vertrauen, obwohl wir noch nicht sehen können, wohin er führt.

Aus drei Menschen auf einer Wiese wurde irgendwann ein Yogazentrum.
Aber auf dieser Wiese wusste das noch niemand.

2011–2014 · Mitten in Zwickau

Yoga zieht Kreise

Mit dem eigenen Raum am Hauptmarkt begann etwas Neues. Yoga hatte nun ein Zuhause – aber es sollte nie hinter dieser Tür bleiben.

Zwickau war eine Industriestadt, in der Yoga damals noch längst nicht selbstverständlich zum Stadtbild gehörte. Gerade deshalb fühlte sich vieles wie Pionierarbeit an: nicht laut, nicht missionierend, sondern sichtbar, offen und nah an den Menschen.

Für uns war Yoga nie nur Körperpraxis. Es war eine Einladung, im Alltag anders miteinander umzugehen: mit mehr Verbundenheit, Zusammenhalt, Toleranz, Liebe und Mitgefühl. Und auch mit der Bereitschaft, die Verantwortung für die eigenen Reaktionen zu übernehmen, statt sie immer nur im Außen zu suchen.

Yoga beginnt auf der Matte. Aber wenn es dort endet, fehlt ein wichtiger Teil.

Yoga geht auf die Straße

Also gingen wir hinaus. Auf den Zwickauer Hauptmarkt, zu Straßenfesten und dorthin, wo Menschen unterwegs waren.

Um 2012 entstand ein Yoga-Flashmob auf dem Hauptmarkt: Matten, Menschen, Bewegung – mitten im alltäglichen Stadtleben. Nicht als abgeschlossene Yogawelt, sondern als freundliche Einladung, Yoga einmal aus einer anderen Perspektive zu erleben.

Auch bei Straßenfesten und anderen öffentlichen Gelegenheiten suchten wir den Kontakt. Wir wollten zeigen, dass Yoga nichts Abgehobenes sein muss. Es kann mitten im Leben stattfinden – zwischen Häusern, Gesprächen, Musik, Kindern und neugierigen Blicken.

Yoga unter freiem Himmel

2013 zog es uns wieder hinaus ins Grüne. Eine Yoga-Session an der Mulde mit Soshana steht für viele dieser Momente: raus aus dem Studio, hinein in die Natur, gemeinsam atmen, üben und den Raum um uns herum wahrnehmen.

Solche Stunden erinnerten uns daran, dass ein Yogaraum hilfreich ist – aber Yoga selbst keinen festen Raum braucht.

Vom Yogaraum in die Stadtgesellschaft

Die Kreise wurden weiter. Es gab Yoga-Unterricht in der Stadtverwaltung Zwickau, Angebote für Kinder und Familien und immer neue Begegnungen mit Menschen, die vorher vielleicht nie auf die Idee gekommen wären, ein Yogastudio zu betreten.

Jede dieser Begegnungen war klein für sich. Zusammen veränderten sie aber etwas: Yoga bekam in Zwickau langsam einen selbstverständlicheren Platz.

Musik · Kunst · Begegnung

Ein Yogazentrum darf mehr sein als ein Kursraum

Mit den Jahren wurde der Raum am Hauptmarkt auch zu einem Ort für Menschen, die etwas mitbrachten: Geschichten, Musik, Kunst, Ideen und ganz unterschiedliche Lebenswege.

Menschen aus Theater-Gastspielen, Künstlerinnen, Künstler und Musiker kamen ins Studio. Es entstanden Gespräche und Begegnungen, die sich nicht in einen Kursplan eintragen ließen und gerade deshalb so wertvoll waren.

Mantra, Musik und die Love Keys

Musik gehörte immer wieder dazu. Mit den Love Keys und der Welt des Mantra-Yoga bekam das gemeinsame Singen einen besonderen Platz. Ein Konzert in der Mokka Bar brachte diese Verbindung aus Yoga, Mantra und Musik noch einmal in einen anderen öffentlichen Raum.

Auch kleine Festivals und die Kunstplantage Zwickau wurden zu Orten, an denen sich Yoga, Kreativität und Gemeinschaft berühren konnten.

Es ging nicht darum, Yoga größer zu machen. Es ging darum, Verbindungen entstehen zu lassen.

2015 · Begegnung über Grenzen hinweg

Yoga als gemeinsame Sprache

2015 kamen Menschen zu uns, die aus anderen Ländern und Kulturkreisen nach Zwickau gekommen waren – darunter auch Geflüchtete.

In einer Zeit, in der Unterschiede schnell zu Grenzen werden können, wollten wir etwas anderes erfahrbar machen: einen Raum, in dem Menschen für eine Weile nicht zuerst Herkunft, Sprache oder gesellschaftliche Zuschreibungen mitbringen mussten.

Wir übten gemeinsam. Wir begegneten uns. Manches ließ sich mit Worten erklären, anderes über Bewegung, Atmung, Musik und ein Lächeln.

Gerade hier wurden die Werte, von denen wir im Yoga so oft sprechen, ganz praktisch: Toleranz, Mitgefühl und Verbundenheit sind keine schönen Begriffe für eine Wand. Sie zeigen sich darin, wie wir einem Menschen begegnen, der anders lebt, anders spricht oder andere Erfahrungen mitbringt als wir selbst.

Selbstregulation bedeutet auch: Ich bin nicht jeder spontanen Reaktion ausgeliefert. Ich kann innehalten, wahrnehmen und Verantwortung dafür übernehmen, wie ich einem anderen Menschen begegne.

Vielleicht war genau das eine der wichtigsten Lektionen dieser Jahre: Yoga verändert nicht automatisch die Welt. Aber es kann verändern, wie wir in dieser Welt aufeinander reagieren.

2011–2016

Wie ein Stein, der Kreise zieht

Wenn ich diese Jahre heute zusammenfasse, sehe ich kein einzelnes großes Ereignis. Ich sehe viele kleine Bewegungen.

Eine Yogastunde in der Stadtverwaltung. Kinder und Familien im Studio. Ein Flashmob auf dem Hauptmarkt. Eine Session an der Mulde. Straßenfeste. Musik. Künstler. Menschen aus verschiedenen Kulturen. Kleine Festivals. Gespräche, aus denen neue Ideen entstanden.

Und ich sehe, wie all diese Dinge miteinander verbunden waren.

Vielleicht ist es wie ein Stein, den man ins Wasser wirft und der Kreise zieht.

Wir wissen beim ersten Kreis nicht, wie weit die Bewegung einmal reichen wird. Wir können nur versuchen, den Impuls mit einer Haltung in die Welt zu geben, hinter der wir stehen können.

Für uns hieß das: Yoga nicht nur zu unterrichten, sondern seine Werte im Miteinander immer wieder neu zu üben – Verbundenheit, Zusammenhalt, Toleranz, Liebe, Mitgefühl und Verantwortung für das eigene Handeln.

Natürlich ist uns das nicht immer vollkommen gelungen. Yoga war nie der Anspruch, plötzlich perfekte Menschen zu sein.

Es war und ist die Bereitschaft, immer wieder hinzuschauen, neu anzufangen und den nächsten Kreis bewusst zu ziehen.